HOWL YOU
  • Kosmonauten

    Stille. Alles ist weiss. Vom Himmel herab fallen glitzerne Flocken. Das Eis des Sees knistert, kleine Risse schiessen der Oberfläche entlang. An den Ästen bilden sich Tropfenwelten. Die Blätter rasseln und flüstern mit dem Wind. Es knirscht sich etwas durch die Bäume hindurch. Ein weisses Pferd. Es bleibt vor mir stehen und schaut mich an. Wir verweilen in den Augen voneinander. Danach kehrt es wieder zurück ins Dickicht und schreitet leise davon von wo es kam. Der Himmel färbt sich langsam zum Dunkel der Nacht. Es wird mir schwindlig, zugleich will ich drauflos, aber auch weg. Nichts und alles fühlen. Wohin denn mit Allem? Lucky Luke schiesse schneller als sein Schatten. Surreal, aber schön. Abseits von Raum und Zeit. Ein lautes Krachen. Der Himmel erstrahlt für kurze Zeit. Ein Komet landet hinter dem Wald. Der Boden bebt. Mehr Risse im Eis. Eins, zwei, drei Blitze nacheinander, dann der lange grollende Donner danach. Ich renne um zu rennen. Setze mich auf einen Stein und warte. Mein Herzschlag wie Trommelschläge. Wieder nichts. Diese Stille. Wieso passiert denn nichts?! Ich schreie, jedoch erklingt nichts. Nochmals. Man hört gar rein nichts. Nichts bewegt sich mehr, nichts passiert. Kosmisches Aufeinanderprallen. Das Universum kringelt sich um uns herum. Dein Lachen, mein Lachen wie leuchtende Sterne. Dein Strahlen hallt in mir drin wie ein Echo, es hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Helle grelle Helligkeit. Alles und nichts. Ohne Anfang, ohne Ende. Existierende Inexistenz. Werden wir uns zu einem gleissenden Licht vereinen und verschwinden?

  • 12

    Sie tanzen mit dem Winde, geschwinde hin und her. Sie wirblen und zwirbeln umher. Zwiebelschneiden gibt wässrige Augen, am besten spült man sie mit Wasser aus. Das Wasser hinaus tragen, in der Tasche, in der Flasche. Die Milch mit dem Kübel holen gehen und sie armlängs herum schwingen ohne dem Deckel drauf. In den Milchkasten stellen, zuerst einmal vor seiner eigenen Haustür gründlich fegen. Guckt der mir doch durch das Glasfenster und schneidet die Hecke halblängs ab. ‘Ich schiesse, wenn der Köter mir nochmals in den Garten schiesst.’ Huere. Denkt der, wir halten ein Schaf zuhause. Die ganze Wäsche stinkt nach Gülle. Ich pfeiffe immer, wenn ich in den Keller hinunter schreite, vor Allem in der Dunkelheit nach dem Lichtschalter tastend. Wenn niemand daheim ist, singe ich vor dem Spiegel. Ich mag Veränderungen.

  • Nicht auf die Hut

    Klara kam ins Zimmer und klammerte sich an mir fest. Die Schranktüre öffnete sich und hinaus kroch die schwangere Schildkröte. Drei Eier legte sie mitten auf den Teppich. Die Schuhe zieht man stets vor dem Zimmer aus und legt sie unter die Bank, zieht die Finken an und die Jacke hängt man an den vorgesehenen Henkel. ‘Guten Tag allerseits’, grüsst der Herr Lehrer, zerknautscht jedem seine Hand mit seinem dicken, schweren Schlüsselbund. Simons Nase trieft und er schnäuzt sich in seinen Pullover, Daniel trinkt Aquarellwasser, ich verschlucke einer meiner Zähne. Saftiges grünes Gras und dunklere, leicht bläuliche Tannenflecken. Die weissen Wolken wickeln sich wie Zuckerwatte um die Gipfel. Nein, nicht Gipfeli wie Krapfen. Alles ist doch okay, meint er.

  • Angst und Pein und Not

    Saugnapfschnecke! Ständig kreisen meine Gedanken um dich herum wie Geier. Ich dachte du seist unrealistisch. Du und ich. Immer wieder hüpfst du in mein Bewusstsein, ohne Kontrolle, wie ein Gumpibölle. Verwerfe ich dich, lenke mich ab, weg lenken, davon lenken, umlenken, fahre ich nur im Kreis. Du spukst.

    /

    Das alte Haus von Rocky Docky hat vieles schon erlebt, kein Wunder, daß es zittert, kein Wunder, daß es bebt.
    Das Haus von Rocky Docky sah Angst und Pein und Not,
    es wartet jeden Abend aufs neue Morgenrot.

    /

    Meine Zähne beginnen sich zu bewegen. Die vorderen Zwei scheinen sich weiter und weiter auseinander zu begeben. Bei der Backe hinten wackeln sie wie verrückt, ich ziehe fest daran. Zwei Reihen grosse Zähne spuke ich heraus. Grau. Innen sind sie hohl.

    /

    Lass uns hierbleiben. Festhalten. Die Realität stinkt.

  • Essigwasser

    Etwas ist da, dass man nicht da haben will. Es soll gar nirgends sein. Aber da es schon da ist, muss es ja irgendwo sein. Es ist hier und da, manchal mehr, manchmal weniger. Niemals ganz weg. Wie der eigene Schatten.

    /

    Erinnerungen aus dem Traum oder Träume aus Erinnerungen?
    Wieder und wieder kehre ich zurück. Was denn los sei, was?
    Es ist alles los, überall und nirgendswo. Völlig losgelöst von der Erde, ja!
    In meinem Kopf spielen sich die gleichen Sequenzen rythmisch konstant ab. Bis zur Banalisierung, wie ein Warhol. Ein Unfall, von dessen man sich berührt fühlt und nicht wegschauen kann. Emotionale Verstümmelung eben. Ist dies ein Produkt meines Selbst, mich stückchenweise zu zerstören? Aus Langeweile Probleme hervorbringen. Auf dem Silbertablett serviert mit Champagner zum Runterspülen. ‘Verwechsle Leidenschaft nicht mit Drama’, meinte er.
    *”Welch ein Meisterwerk ist der Mensch! Wie unbegrenzt an Fähigkeiten! In Gestalt und Bewegung wie bedeutend und wunderwürdig! Die Zierde der Welt! Das Vorbild der Lebendigen! Und doch, was ist mir diese Quintessenz von Staube? Ich habe keine Lust am Manne - und am Weibe auch nicht. Nein, am Weibe auch nicht.”
    * Shakespeare Hamlet 2. Aufzug, 2. Szene, ‘Withnail and I’ letzte Szene

  • Szoo

    Es passiert nichts. Ich stehe vor einem leeren Gehege im Zoo. Auf dem Schild steht, dass hier eine exotische Rasse drin sein sollte. Interessiert schwenke ich meinen Blick hinter das Gestrüpp, den Büschen, schaue nach oben in den Baumkronen, zwischen den Ästen oder am Wasser zu, man sieht weit und breit nichts. Die anderen Tiere lassen mich kalt. Ich möchte wissen, wo dieses Versteckte denn ist.

    /

    Der Regen ist das aufregendste zurzeit. Rythmisch fällt er auf die heruntergelassenen Storen. Überall ist es grau.

    /

    Ein Kind schreit und klopft an die Scheiben. Vor nicht allzu langer Zeit, habe ich das Tier noch in der Wildnis gesehen. Nun sind wir beide im Zoo gelandet.

  • Nosy Josy

     

    // What do you eat for breakfast? 

    — coffee& something from deli

    // What do you usually do straight before you go to bed?

    — brush my teeth while straightening up my bedroom, make the bed, turn off lights except bedside table, then go for a 15-20 minute around the block.

    // What is your first memory?

    — walking to kindergarten wearing an orange hi-vis fluro strap around my neck.

    // Which colour do you wear often?

    — grey

    // What did you do at the weekend?

    — went to a boxing match and a sundance short film screening. pitched music for a two tv commercials.

    // To which time or era in history would you like to time travel for a visit?

    — 1400 BC and hang out with Tutankhamun

    // Who would you like to meet up with for a chat over a beer?

    — my brothers

    // What memories do you have of Switzerland?

    — singing in the Knabenkantorei and wearing a funny blue church robe during performances. choir camp in the mountains. Skiing riding a green tram & buying yellow and white tickets. attending primary school and going home at noon everyday. Riding my bike around parks with gravel paths & doing skids buying and letting off fireworks. snow. being a scout & going on day trips to castles /forests. crossing the border into france for grocery shopping. swimming at indoor pools. water slide fun parks. ice hockey

    // What embarrasses you?

    — my stutter

    // If you would have to choose a different occupation, what would it be?

    — psychologist

    // What are you looking forward to?

    — visiting switzerland & seeing you again

    ///

    Geordie

    • 1
  • Nosy Josy

     

    // What is your first memory of?

    — Going into the greenhouse probably when I was less than 4 years old.

    // What is your favourite word?

    — No favourite word but like the sound of caffuffle(spelling??), extraordinary, quelch

    // Who would you like to meet for a walk in the park?

    — I’d LIKE to walk in the park with my dad as he was when he was about 40 years old.

    // What do you enjoy eating a lot of?

    — Coffee cake! But also Pad Thai or green mango salad!

    // What was your last dream about?

    — Like eating a lot of gooey coffe cake with walnuts but can’t remember my dreams.

    // What are you afraid of?

    — Afraid of the pitch black dark.

    // Where would you fly to today if you had no commitments at all?

    — I’d fly to Majorca today if I could and stay near a long beach. 

    // What is your favourite smell?

    — Favourite smell is of baking or a roast in the oven. 

    // What did you do last weekend?

    — Last w/end i flew to Uk and went to national Portrait Gallery all on the same day. 

    // What is your favourite time of the day?

    — Love early sunny mornings when it’s quiet. 

    // What are you looking forward to?

    — Looking forward to the next time I can lie on a warm, sunny beach!!

    ///

    Carolyn

    • 1
  • She and him and her

    She told me that she met him over the internet. They arranged to meet at a hotel. When he opened the door she closed her eyes and hugged him without knowing what he looks like. He felt very big. When they talked eye to eye she did not feel connected to him at all. When she laid her head on his lap it was like before though. Back then she decided it will be the first and last time they meet. They have been together for two years now. She dreams of fairies and unicorns. Her hair is red like the desert sand.

    /

    He is elegant like no other, sensitive and kind. If I ever were to be at the centre of a hurricane with anyone, it would be with him. When we met he told me about his father and I nearly cried. I knew immediately that we will be good friends, best friends. Soul sister and brother.

    /

    She does not want help from anyone and she does not seem to want to change. She wants him and nothing else. She sometimes forgets to eat and she sometimes drinks too much. I thought I knew her well and had her all figured out but then often I do not recognise her. She is drifting away from me, so far, sometimes I do not know where she is and where she will be.

    /

    He fell in love with a girl from the circus. He lived in her room and they made love to each other in the woods. When he told me what happened his eyes were like those of a sad dog. Very often he gets trapped in his box full of cubes and quads. When she came along screaming loud, everything got smashed to bits. She painted things purple and green. He watched her with his happy smile.

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    She says something then sorry then sorry for sorry. Sorry for always saying sorry. Do I say sorry too much? Do you mind if I keep asking you if I say sorry too much? Why aren’t you sorry? Don’t you care? Do you care? Do you care if I care? Sorry. Sorry!

    • 1
  • She and him and her

    Sein Gang ist schlurfig, sein Haar luftig, sanft und fein, es weht und wippt bei jedem seiner grossen Schritte. So geht er durch das Leben.

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    Ihr Lachen hallt mir nach, sie kreischt vor Begeisterung und es blubbert aus ihr heraus. Manchmal glüht ihre Haut hell und aus ihrem Kopf scheinen Blumen zu wachsen.

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    Im Rückspiegel blicken seine grünen Augen mich scharf an. Wie Pfeile schiessen sie mir ins Blickfeld, fesseln mich, Pfauenaugen. Etliche Momente sind nur gefüllt mit Warten, nur noch einmal verschwinden und sich dem Sinn nähern.

    /

    Es gehe nicht mehr, all diese Last zerstöre sie, wenn es so weiter ginge. Der Kiefer knarscht zusammen und wenn sie spricht ist es voller Schmerz und Dringlichkeit. Ein Tiger schreitet umher, wohin als nächstes? Die Sonne geht bald unter, mit tränengefüllten Augen singt sie zum Lied ihrer vergangenen Liebe.

    /

    Wie ein Wirbelsturm, wie Elektrizität, wie ein Frauenfurz, zischte er umher. Rannte durch Wände, klopfte Fremden auf die Schulter und riss Tücher weg unterm gedeckten Tisch. Dann ohne einen letzten Aufschrei, ohne einer finalen Explosion, ohne dass er noch irgendwo einen Jengaturm zum umstürzen brachte, wurde er still.

    /

    Als sie in der Stadt der Senke wohnte, lebte sie mit einer Taubenfrau zusammen und ihre Freunde waren die beiden Rogers. Bei der Arbeit sei sie auch schon von den autistischen Kindern geschlagen worden. Ihre letzte Mitbewohnerin musste deportiert werden und ihr Freund wurde mal von einer Spionin betrogen. Mit Rotwein in der Hand, sitzt sie am künstlichen Feuer und schaut lachend herüber zu ihrem Kater, der seinen Schwanz zu Benny Goodman räkelt.

  • Krung Thep Maha Nakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Yutthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udom Ratchaniwet Maha Sathan Amon Phiman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit

    Es sei unerhört, sich einfach zwischen Allen an den Boden zu setzen. Du hast etwas mystisches an dir, meinte er.

    /

    10 Jahre später und wieder sitze ich am falschen Ort, oder eher am falschen Ort am falschen Ort. Eigentlich gehört es sich in der Kultur hier allgemein nicht, sich an den Fussgängerrand oder irgendwo an den Boden zu setzen, erinnere ich mich. Jedoch habe ich mich schon bequem gemacht und mein Körper fühlt schwer an. Die Strasse ist dreckig und sei nur für Hunde. Ich merke wie etliche verwunderte Blicke an mir haften. An den Tischen auf aufklappbaren Stühlen essen einige Nudeln und sonstige Köstlichkeiten, Passagiere starren mich beim Vorbeigehen an, der Hotelparkplatzanweiser hat mich auch schon im Visier. Für eine Weile ist es mir egal, oder ich versuche sie einfach zu ignorieren. Dann kommt schlussendlich doch der Hotelheini und sagt, ich könne mich doch auf die Bänke um die Ecke setzen. Eigentlich gar keine schlechte Idee. Da gucken mich aber dann genau so viele an, wenn nicht sogar mehr, einfach weil ich weiss, weiblich oder anscheinend sonst irgendwie spannend bin. Ein Mototaxifahrer fragt mich, ob ich mitfahren wolle, was ich dankend abweise. Ich will einfach in Ruhe für mich sitzen und meinen eigenen Gedanken nachgehen. Diese Stadt zerdrückt mich. Ich brauche frische Luft. Meine ganze Existenz schmerzt. Auf Umwegen zum Ziel kommen, denke ich.

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